Jürgen Bergmann
Galerie TILLBEER Concept in Bielefeld - Sennestadt

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Jürgen Bergmann 



Jürgen Bergmann

Aufgewachsen im elterlichen Gärtnereigrundstück am Stadtrand von Zittau.
10 Jahre „Polytechnische Schulausbildung“ in der „Schliebenschule“ in Zittau.
Danach 2,5 Jahre Ausbildung zum Forstfacharbeiter in Söllichau (Dübener Heide). Einstellung im Forstbetrieb Niesky.
Nach der Lehre 1,5 Jahre Grundwehrdienst bei einer Flugabwehrstaffel in der Nähe von Rostock. In dieser Zeit Entdeckung der „Fähigkeit zu gestalten“.

Nach ca. 10–jähriger Forstlaufbahn Kündigung und Beginn einer Periode mit künstlerischer Ausrichtung.
In dieser Zeit Arbeitsverhältnis mit der Diplombildhauerin Gisela Mauermann in Görlitz und Holzbildhauerlehre in Empfertshausen (Rhön).
Persönliche Partnerschaft mit Aline Altendorf.

1990 Gründung der Firma „Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann“ mit einem Mitarbeiter. Tätigkeitsbereich Skulpturen und künstlerische Unikatgestaltungen. Meist Spielgerätkonstruktionen für Kindergärten, Schulhöfe und öffentliche Spielplätze.
Seither kontinuierliche Entwicklung zu einem schlagkräftigen, international agierenden Unternehmen.

Bau der Blockhausgalerie und Beginn kultureller Aktivitäten.

Ausgehend von einem kleinen „Musterspielplatz“, ergab sich die allmähliche Entwicklung des „Grüngeringelten Abenteuerfreizeitparks Kulturinsel Einsiedel“. Parallel hierzu erfolgte die Gründung der Firma „Galerie und Cafe Jürgen Bergmann“, sowie des Kulturvereins „Kulturinsel Einsiedel e.V.“

Auszeichnung mit dem „Kunstpreis der Oberlausitz“.
Auszeichnung durch den Deutschen Kinderschutzbund.



Die Wende hätte mir gestohlen bleiben können!

In den 80 er Jahren gab es die Kulturinsel noch nicht. Als Einsiedelei konnte man den abseits liegenden Waldbauernhof allerdings wirklich bezeichnen: Wasser aus dem Brunnen, kein Telefon und so schwacher Strom, dass beim Anlassen der Kreissäge, bei den „Nachbarn“ auf der Kahlen Meile das Fernsehbild zusammenbrach!
Allerdings waren dies keine echten Probleme, sondern eher akzeptierte Normalität. Ebenfalls kein Problem war, dass fast der gesamte Ausbau unseres alten Bauernhauses mit den eigenen Händen bewerkstelligt werden musste. Das ging zwar recht langsam, doch wurden die Anstrengungen mit vielen kleinen Erfolgserlebnissen und letztendlich auch mit Stolz auf das Erreichte belohnt. Ein Problem war eher, dass es für viele Sachen kein Material gab. So musste man sich für eine kleine Bretterzuteilung, die höchstens einmal im Monat stattfand, mit möglichst vielen „Namensspendern“ schon früh um 5 Uhr anstellen!
Es gab aber auch das Gegenteil:
Für unser genehmigtes Ausbauprojekt bekamen wir beispielsweise ein Kontingent an Zement zugeteilt. Allerdings gab es nie welchen! So rückten wir dem Ausgabebüro immer wieder mit unserem Kontingentschein auf die Pelle. Bis es dem Bearbeiter zu viel wurde und er, um uns abzuwimmeln, eine komplette Siloladung losen Zement anbot. Also wurde kurzer Hand ein alter Stallraum mit Einfüllstutzen versehen und mit 16 Tonnen Zement vollgepumt! Im Ergebnis entstand dann unter anderem eine große Tiefgarage aus selbst gegossenen Betonsteinen.
Heute kann man alles kaufen – wenn man das Geld dazu hat.
Aber macht das noch Spaß?
Überhaupt, was uns damals wirklich fehlte, war die Existenzangst! Selbst für etwas exzentrischere Lebensbedürfnisse konnte man in dieser Zeit leichter Nischen finden, als heutzutage davon zu existieren.

Unser damaliger Tagesablauf begann so gegen 9 Uhr. Für mich hieß es dann oft auf mein Pferd klettern und nach Zentendorf auf die Poststation reiten. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die anstehenden Telefonate erledigt.
Danach verlief der Tag mit Bauarbeiten an Haus und Grundstück, oder mit dem
eigentlichen Broterwerb, der Holzbildhauerei. Die Artikel wie Butterformen, Leuchter, oder größere Tierfiguren wurden anschließend auf Märkten und Volksfesten verkauft. Viel Geld brauchten wir nicht zur Existenz.
Hinter dem Haus war ein großer Garten, der Wald bot endlos viele Pilze, selbst Hühner und Schafe halfen mit zur Selbstversorgung. Am Neißehang ein eigener kleiner Badeteich, im Baum ein tolles Baumhaus und kein Autolärm störte unsere Idylle!
Leider kam dann die Wende mit großen wirtschaftlichen Problemen. Wer kaufte im Osten noch Holzkrempel, wo doch alle auf einen „Westwagen“ scharf waren?
Und im „Goldenen Westen“ konnten wir gleich gar keine Geschäfte machen. Kunsthandwerk aus Holz ist aus der Dritten Welt viel billiger! Manchmal haben wir auf den Märkten nur so viel verkauft, dass dabei gerade der Sprit für die Heimfahrt herauskam.
Dass es uns immer noch gibt und was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat, kommt mir oft selbst wie ein Wunder vor.
Doch auch wenn jetzt über 50 Leute hier Ihre Existenzgrundlage erarbeiten und unsere „Verrückten Sachen aus Holz“ nach ganz Europa exportiert werden, an die ruhigen, glücklichen Jahre vor der Wende denke ich oft wehmütig zurück.

Erlebt und aufgeschrieben: Jürgen Bergmann